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Graues Haus mit Terrasse am Wasser
Valentina, wie sind Sie an diesem Projekt beteiligt geworden?
— Zu dem Projekt Usadba Kisiskila wurde ich als Spezialistin für die Planung von Einfamilienhäusern von Ilja Walerjewitsch Slepcow, einem bekannten endokrinologischen Chirurgen aus St. Petersburg und Initiator der Wiederbelebung des Anwesens, eingeladen.
Zuvor habe ich mich mit dem Entwurf von Holzhäusern – aus Balken und Stäben – beschäftigt. Die Projekte von Usadba stellten jedoch eine neue berufliche Erfahrung für mich dar: Hier musste ich Fertigbauhäuser entwerfen und gleichzeitig ein ausdrucksstarkes architektonisches Konzept dafür entwickeln, das auf den Traditionen der finnischen Holzarchitektur beruht.
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Wie hat ein historisches Haus die Architektur neuer Gebäude beeinflusst?
— Das Hauptgebäude bestimmt das architektonische Maß des Ensembles: ein großer Portikus mit Säulengang, eine Prachttreppe, große Fenster sowie eine auffällige Symmetrie der Fassade. Gleichzeitig weist es bereits Merkmale auf, die an die finnische Tradition erinnern – Dachfenster in Form von „Kuckucksuhren“, ein kleiner Turm, Holzverzierungen sowie profilierte Fensterrahmen. Genau diese Kombination wurde für mich der Schlüssel zur Entwicklung des Geländes.
Brücke zum Verwaltungsgebäude
In Form des Anwesens sind auch Elemente der sowjetischen Vergangenheit erhalten geblieben – Skulpturen von Pionieren sowie Kunstwerke aus einem Pionierlager. Es ist mir wichtig, sie zu bewahren: Sie gehören ebenfalls zur Geschichte von Kiiškiil und existieren neben früheren sowie moderneren Schichten dieses Ortes.
Modelle der Entwürfe „Verlorene Anwesen im Bezirk Wyborg“
Was ist das Gebiet der Usadba heute?
— Kyskiľa verwandelt sich in ein multifunktionales Kultur- und Tourismuszentrum: Es gibt Cafés, ein Mini-Hotel, einen Souvenirladen, ein Glamping-Gelände sowie Gästehäuser. Am Wasser befindet sich eine gepflegte Zone mit Anlegeplatz und Überdachung für ein altes Boot, in der Nähe der Brauerei gibt es eine Terrasse für Verkostungen. Auf den Feldern weiden frei Highland-Kühe, Yakhs, Schafe und Gänse.
Haupteingang zum Anwesen; Wachhäuschen
Die Eisenbahn ist mit Kopien der Tram in Wyborg in Betrieb. Gäste können in Hotels oder Glamping-Anlagen übernachten oder mit einem Sumpfboot oder Boot eine Bootsfahrt unternehmen. Hier befindet sich außerdem einer der nördlichsten industriellen Weinberge Russlands. Wichtig ist, dass alle Objekte nicht isoliert existieren: Jedes erfüllt seine eigene Funktion, ist aber Teil eines gemeinsamen architektonischen Konzepts.
Ein funktionsfähiges Exemplar der Straßenbahn von Wyborg mit Werkstattstation
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Pavillon, rekonstruiert anhand alter Fotos
Welche neuen Objekte wurden bereits realisiert?
— Es wurde viel realisiert: ein Café mit 50 Plätzen, ein Mini-Hotel mit acht Zimmern, ein Verwaltungsgebäude, eine Wachstelle, Gästehäuser am Wasser, ein Souvenirladen, eine Straßenbahnhaltestelle und -Depot, ein Glampingplatz, eine Kapelle auf dem Hügel sowie weitere Infrastrukturprojekte.
Das Cafégebäude am Brückenrand
Jedes Gebäude hat seinen eigenen Charakter, doch keines wird außerhalb seines Kontexts betrachtet. Bei der Planung denke ich darüber nach, wie das Gebäude von verschiedenen Punkten aus wahrgenommen wird: vom Eingang, vom Wasser, vom Spazierweg, aus der Ferne und aus der Nähe. Der Silhouette muss mit den umliegenden Gebäuden und der Landschaft harmonieren. Deshalb bemühe ich mich auch bei einer gemeinsamen Stilistik, die Architektur zu variieren: Die Individualität jedes Projekts wird durch seine Bestimmung und Lage bestimmt, doch gleichzeitig werden die Gebäude als Teil eines Gesamtkunstwerks wahrgenommen.
Kapelle
Blick auf den Turm des Hauptgebäudes der Anlage und den Keller
Was muss noch umgesetzt werden?
— In naher Zukunft: ein Teekannenmuseum (der Rahmen ist bereits installiert), ein Restaurant mit 200 Plätzen, eine Käsemanufaktur, eine Viehfarm sowie die Umwandlung der Ställe in Konferenzräume. Langfristig sind ein zweistöckiges Hotel mit 25 Zimmern geplant, das stilistisch mit dem Mini-Hotel verbunden ist, sowie ein großer Kinderspielplatz mit überdachten Räumen für Workshops.
Letztendlich soll das Gelände zu einem Ort für Festivals, Konferenzen und Ausstellungen werden. Schrittweise entsteht dort nicht nur ein touristisches Ziel, sondern auch eine kulturelle Umgebung, die verschiedene Altersgruppen und unterschiedliche Aufenthaltsformen berücksichtigt.
Vorbildlicher Kamin im Hauptgebäude des Anwesens
Inneneinrichtung des zu renovierenden Hauptgebäudes
Erzählen Sie etwas über das Gebäude des Cafés. Es hebt sich von den anderen Objekten ab.
— Das Café ist das interessanteste Projekt. Ich wollte über die Grenzen eines schlichten finnischen Holzbaukörpers hinausgehen und eine komplexere Komposition schaffen. So entstand ein mehrstöckiger Baukörper mit einem Aussichtsturm und einem gläsernen sechseckigen Saal, der zum Bächlein hin offen ist. Als Vorbild diente ein Holzgebäude eines Leuchtturms aus dem 19. Jahrhundert in Michigan – sein Erscheinungsbild lieferte die Idee für den vertikalen Turm, der zum dominierenden Element des Cafés wurde.
Von der oberen Plattform aus hat man Ausblicke in alle vier Richtungen – auf das Anwesen und die Finnische Bucht. Der Turm ist nicht nur ein Detail, sondern auch ein Aussichtspunkt, der Architektur und Landschaft miteinander verbindet.
Das Cafégebäude am Brückenrand
Eine besondere Bedeutung hat das runde Rosettenfenster mit originellem Einband – es ist das Hauptelement, das den Stil prägt. In der Mitte befindet sich ein Mechanismus für eine Uhr: Das Fenster verwandelt sich so in eine große, stilisierte Uhr.
Die Farbgestaltung bezieht sich auf die finnische Tradition: Ein tiefer rot-brauner Suriq kontrastiert mit schneeweißer Dekoration. Weiße Rahmen und Bänder auf dem intensiven Hintergrund erlangen eine grafische Ausdruckskraft und erinnern an die Spitzenverzierung ländlicher Gebäude. In diesem Gebäude wollte ich Tradition und meine eigene Interpretation verbinden – nicht historische Vorbilder nachahmen, sondern in einer modernen Sprache mit ihnen kommunizieren.
Inneneinrichtung eines Cafés
Was bedeutet dieses Projekt für Sie persönlich?
— Kiiskilyä – eine Geschichte über die allmähliche Entstehung eines Ortes. Hier existieren nebeneinander mehrere zeitliche Schichten: das historische Anwesen, Spuren der sowjetischen Vergangenheit, die finnische Architekturtradition sowie moderne Gebäude. Meine Aufgabe besteht darin, diese Unterschiede nicht zu verwischen, sondern die Individualität jedes Objekts zu bewahren und zugleich eine visuelle sowie emotionale Verbindung zwischen ihnen herzustellen.
Die Gestalt des Gullivers aus dem Pfadfinderlager neben einem Wohnhaus
Deshalb basiert die Architektur auf dem Prinzip der Einheit ohne Eintönigkeit. Jedes Gebäude hat seinen eigenen Charakter, doch zusammen bilden sie ein ganzes Ensemble. Genau darin sehe ich den wichtigsten Unterschied bei der Arbeit an dem Anwesen.