Maison Melba / Atelier L'Abri / Kanada

Tief im idyllischen Obstgarten und auf den Wiesen der Eastern Townships im Süden Québecs erhebt sich das Maison Melba von Atelier L’Abri als eindrucksvolles Zeugnis für den adaptiven Wiederverwendung, nachhaltiges Design sowie architektonische Lösungen, die der Gemeinschaft dienen. Was einst eine Autowerkstatt aus den 1970er Jahren war, wurde in einen Lebensraum umgewandelt, der zugleich als Privatwohnung, Kreativstudio, Werkstatt, Küchenproduktionsbereich sowie als Treffpunkt für Begegnungen, Zusammenarbeit und eine Verbindung zur Natur dient.
Maisons Melba ist bei weitem mehr als nur eine Renovierung – es verkörpert eine ganzheitliche Vision von Architektur, die Kontext, Materialität, Kulturerbe sowie zukünftige Nachhaltigkeit respektiert. Es handelt sich um ein Gebäude, dessen Wert nicht nur in seiner Form liegt, sondern auch in seiner Funktion – als Zuhause, Werkstatt und Plattform für den Dialog zwischen Menschen und Ort.


Von Garage zu innovativem Wohnhaus: Die Transformation
Ursprünglich handelte es sich um eine anonyme Garage aus den 1970er Jahren; das bestehende Gebäude wurde bis zum Holzgerüst abgebaut, wodurch die ursprüngliche Silhouette erhalten blieb, während Platz für eine deutlich verbesserte Gebäudehülle geschaffen wurde. Innerhalb dieses Gerüsts errichteten die Architekten mit Zellulosefaser isolierte Doppelwandsysteme, fügten mit PassivHaus-Zertifizierung versehene Dreifachverglasungen hinzu und erreichten eine Luftdichtigkeit von 0,37 ACH bei 50 Pa – ein Zeichen hervorragender Wärmedämmung und Energieeffizienz.
Das Ergebnis ist ein Gebäude, das Jahrzehnte lang halten wird, bei dem minimale Energie verbraucht wird und bei dem eine verschwenderische Zerstörung einer vorhandenen Ressource vermieden wird. Das robuste Stahldach sowie die mit Holz verkleidete Fassade sollen im ländlichen Landschaftsbild elegant altern – schließlich sollen sie sich mit den Obstgärten und Wiesen vermischen, die das Haus umgeben.





Raumstrategie: Licht, Leere und Alltagsleben
Maison Melba ist um eine faszinierende räumliche Gestaltung konzipiert: ein zentrales Loch, das das Gebäude durchschneidet, unter einer hohen Deckenluke – eine Leere, die Tageslicht tief in den Raum bringt und als Übergangsbereich zwischen den Wohnzonen sowie der Werkstatt/ Gemeinschaftsfläche dient.
Dieser strukturelle „ Schnitt“ bringt nicht nur Licht mit sich, sondern schafft auch eine Pause, einen Moment des Übergangs. Auf der einen Seite entfaltet sich ein warmes, ruhiges Ambiente, geprägt von Möbeln, natürlichen Materialien und sanftem Licht; auf der anderen Seite bieten eine eher industrielle, doch raffinierte Werkstatt sowie ein sozialer Raum Anreize für Zusammenarbeit, Kreativität und Gemeinschaftstreffen.
Durch diese Gestaltung wird das Haus zu mehr als nur einer Wohnstätte – es wird zu einem Mehrzweckzentrum für Leben, Arbeiten, Kochen, Gärtnern und Gemeinschaft. Draußen stärken ein Gewächshaus sowie ein kleiner Gemüsegarten die Verbindung zur Natur und unterstützen den Anbau vor Ort sowie ein nachhaltiges Leben.
Materialität und Innenräume: Wärme, Handwerk und ruhige Eleganz
In der Maison Melba ist die Farbpalette bewusst zurückhaltend, doch reich an taktilen Qualitäten: Douglasie-Böden, mit Kalk gewaschene Wände, Weiß-Eichen-Möbel, Strukturbalken aus Tannenholz sowie hohe Leinenvorhänge schaffen gemeinsam eine ruhige, warme und äußerst menschliche Atmosphäre. Große Fenster aus Holz und Aluminium bieten Ausblicke auf die ländliche Umgebung und verwischen so weiterhin die Grenze zwischen Innen und Außen.
Auf der Seite des Werkraums schaffen rohe – doch sorgfältig ausgewählte – Materialien (industrielle Oberflächen in neutralen Tönen, funktionale Möbel) eine flexible Grundlage für Kreativität und Produktion, die mit dem Anspruch des Gebäudes übereinstimmt, häuslichen Komfort mit produktivem Zweck zu verbinden.
Zusammen altern diese Materialien sanft – das Holz wird weicher, die Holzbretter grauen im Laufe der Zeit und das Stahldach wird durch Witterungseinflüsse beeinflusst – wodurch das Haus allmählich in seinen ländlichen Kontext übergeht und anmutig reift, bis es schließlich Teil der Landschaft selbst wird.
























Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit als Passivhaus
Maison Melba zeichnet sich nicht nur ästhetisch durch Bescheidenheit aus – technisch ist es außerdem sehr anspruchsvoll gestaltet. Die Modernisierung folgt Prinzipien des Passivhauses, indem sie die Dämmung optimiert, Wärmebrücken beseitigt, die Luftdichtigkeit maximiert und hochleistungsstarke Dreifachverglasungen verwendet.
Die neue Fassade sowie die Systeme des Gebäudes gewährleisten einen minimalen Energieverbrauch für Heizung oder Klimatisierung und verringern so die langfristige Umweltbelastung. Der auf dem Gelände befindliche Gewächshaus und Garten unterstützen zudem einen kleinen, selbstversorgenden Lebensstil, der auf der lokalen Ökologie und den Werten der Gemeinschaft beruht.
Die Kluft zwischen den bescheidenen Anfängen des Gebäudes und seiner zukunftssicheren Leistungsfähigkeit verdeutlicht einen grundlegenden Glaubenssatz von Atelier L’Abri: Architektur muss Schönheit, Funktionalität und Langlebigkeit miteinander verbinden, um wirklich zeitlos zu sein.


Ein Zuhause + Werkstatt + Gemeinschaftszentrum: Neue Definitionen des ländlichen Lebens
Die Aufzählung der Einrichtungen – Wohnraum, Atelier, Werkstatt, Küche/Kulinarikproduktion, Gewächshaus, Gemüsegarten – unterschätzt das tiefere Anliegen von Maison Melba. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Haus oder eine renovierte Garage; es ist ein lebendiger Ökosystem. Es ist ein Raum für Kreativität, Zusammenarbeit, Gastfreundschaft, Nahrungsmittelproduktion und Treffen – alles im Einklang mit den Rhythmen des ländlichen Québecs.
Dadurch definiert das Projekt neu, was „Zuhause“ bedeutet: nicht als isolierte Zelle, sondern als Knoten in einem Netzwerk aus Leben, Arbeit und Wachstum. Es handelt sich um Architektur, die Gemeinschaft und Ökologie unterstützt – nicht Trennung.














