Forest Edge House / Marc Thorpe Design / Vereinigte Staaten

Eine ruhige Intervention am Rande des Waldes
In den bewaldeten Hängen der westlichen Catskills erhebt sich das Forest Edge House als ruhige Geste ökologischer und ästhetischer Klarheit. Entworfen von Marc Thorpe Design und im Jahr 2025 fertiggestellt, umfasst diese kompakte Zweistöckervilla eine Fläche von 1.500 Quadratfuß und steht auf einem dreieckigen Waldstück außerhalb von Roscoe, New York. Das Haus stellt eine bescheidene, doch durchdachte Intervention dar – ein Rückzugsort, der Autonomie, Nachhaltigkeit sowie eine tiefe Verbundenheit mit seinem Standort in sich vereint.


Harmonisierung von Form, Umgebung und Nachhaltigkeit
Die architektonische Sprache des Forest Edge House ist zugleich einfach und durchdacht. Seine rechteckige Form ist mit FSC-zertifiziertem Naturkiefernholz verkleidet – einem Material, das es dem Gebäude ermöglicht, im Einklang mit dem Wald zu altern. Das Design des Hauses orientiert sich am ländlichen, agrarischen Stil der Catskills – ein Hinweis auf seine traditionellen Wurzeln statt einer kühnen Einführung des urbanen Modernismus.

Doch die wahre Stärke des Projekts liegt in seinem integrierten Ansatz zur Nachhaltigkeit. Forest Edge House ist die fünfte mit Solarenergie betriebene Residenz von Edifice Upstate. Sie wird durch 24 monokristalline Solarmodule angetrieben, die mit einem 15 kW starken Wechselrichter sowie einer Lithium-Ionen-Batterieanlage verbunden sind – dies erzeugt etwa 38 kWh pro Tag, genug, um das gesamte Haus ohne Netzversorgung am Laufen zu halten.

Draußen sorgen eine Fußbodenheizung sowie ein offener Raumplan, der Wohn-, Küchen- und Essbereiche miteinander verbindet, dafür, dass die begrenzte Fläche von 1.500 Quadratfuß funktional und effizient wirkt. Das Haus verfügt über drei Schlafzimmer und zwei Badezimmer, was es nicht nur zu einer praktischen Wahl für einen Wochenendausflug – sondern potenziell auch für eine dauerhafte Wohnnutzung macht.



Eine über die Natur hinausragende Verbindung
Eines der auffälligsten architektonischen Elemente ist die 25 Fuß (ungefähr 7,6 Meter) lange Stahlterrasse, die über das Walddach hinausragt. Diese erhöhte Plattform erweitert den Wohnraum effektiv in die Bäume hinein und bietet einen Ort für ruhige Morgenstunden, Waldlicht sowie das leise Rascheln der Blätter – sie verbindet Innen- und Außenraum zu einem harmonischen Ganzen.


Durch das Anheben des Hauses leicht über den Boden sowie durch einen minimalen Grundriss schützt das Design die vorhandenen Bäume und Wurzelsysteme, während es gleichzeitig den Ausblick und die Privatsphäre maximiert. Die Kiefernverkleidung wird im Laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse verändert und verschmilzt mit ihrer Umgebung, wodurch die optische Wirkung abgemildert wird und das Haus sanft unter den Bäumen Platz finden kann.



Philosophie: Autonomie, Verantwortung, Respekt
Zentral für das Forest Edge House steht eine philosophische Haltung: Architektur als Ausdruck der Autonomie – ein bewusster Widerstand gegen Überkonsum, überflüssige Systeme und Energieabhängigkeit. Wie Marc Thorpe es beschreibt, ist das Haus „eine Gelegenheit, unsere Autonomie zurückzugewinnen.“


Diese Autonomie ist weder streng noch bestraffend. Vielmehr entsteht sie aus einem Bewusstsein für Verantwortung und Respekt – gegenüber dem Land, der Umwelt und uns selbst. Das Projekt zeigt, dass moderne Annehmlichkeiten und ökologisches Bewusstsein sich nicht gegenseitig ausschließen. Durch seine vollständige Unabhängigkeit von der Stromversorgung, seine bescheidene Größe sowie die Wahl der Materialien dient Forest Edge als Vorbild für nachhaltige, stärker in ihren Kontext eingebundene Architektur.



Warum Forest Edge heute wichtig ist
In einer Zeit, in der Klimawandel, Energierohstoffzugang und ökologische Auswirkungen die Zukunft der Wohngebäude prägen, zeigt das Forest Edge House einen möglichen Weg nach vorn auf. Es lehnt die Vorstellung ab, dass Größer immer besser bedeutet oder dass ein modernes Leben eine Trennung von der Natur erfordert. Stattdessen schlägt es einen Lebensstil vor, bei dem das Design zurückhaltend ist, die Systeme effizient funktionieren und der ökologische Fußabdruck – sowohl physisch als auch umweltbedingt – minimal bleibt.

Als Teil des wachsenden Portfolios von Edifice Upstate zeigt dieses Projekt auch ein zunehmendes Interesse an einer verantwortungsvollen Leben außerhalb des Stromnetzes. Es handelt sich um ein Haus, das nicht zum Schreien, sondern zum Zuhören konzipiert ist – den Jahreszeiten, dem Wald und dem leisen Sonnenlicht, das durch die Kiefernnadeln fällt. In dieser Stille liegt Kraft.












